last update: 08.11.2022 17:43

Am 26. Mai des Jahres 1886 kommt in Senftenberg der erste Sohn des Paares zur Welt.

Die Eltern geben ihm den Namen

Johannes Robert Wilhelm

Mit nebenstehender Geburtsanzeige wurde die Leserschaft des "Senftenberger Anzeiger" über dieses freudige Ereignis informiert.

Einige Zeitungsausgaben später erfolgte die Erwähnung der Geburt innerhalb der standesamtlichen Nachrichten.

Senftenberger Anzeiger (29.05.1886)
Senftenberger Anzeiger (05.06.1886)
Auszug aus dem Kirchenbuch der Deutschen Kirche zu Senftenberg (Taufen 1879 - 1892)
Wilhelms Taufe fand am 14. Juli 1886 statt.
Wie üblich wird die Versorgung und die Beschäftigung mit dem Nachwuchs hauptsächlich in den Händen der Mutter gelegen haben. Der Vater war mit der Seelsorge in Senftenberg und Umgegend vollauf beschäftigt. Er predigte in der Deutschen und in der Wendischen Kirche zu Senftenberg und darüber hinaus auch noch in Sedlitz.
Gleichzeitig kümmerte er sich verstärkt um den seelischen Beistand bei Beerdigungen. Unzählige Dankesbekundungen der Hinterbliebenen für seine tröstenden Worte am Grabe des Verstorbenen, die im "Senftenberger Anzeiger" erschienen, belegen dies eindrucksvoll.
Der kleine Wilhelm im Jahre 1887
Senftenberger Anzeiger (22.02.1888)

Knapp zwei Jahre nach der Geburt des ersten Sohnes stellte sich erneut Nachwuchs ein.

Am 17. Februar 1888 brachte Louise einen zweiten Knaben zur Welt. Der Junge erhält den Namen

Johannes Robert

Auszug aus dem Kirchenbuch der Deutschen Kirche zu Senftenberg (Taufen 1879 - 1892)
Roberts Taufe fand am 9. April 1888 statt.
Nachdem der damalige Oberpfarrer Martin Rudolph bereits 1885 Ambitionen hegte, die Stelle in Senftenberg aufzugeben, wovon er nur durch Intervention einer größeren Zahl von Gemeindemitgliedern abgebracht werden konnte, stand sein Weggang im Herbst 1888 endgültig an.
"Norddeutsche Allgemeine Zeitung" (15. August 1888)
Anzeige der offenen Oberpfarrerstelle, 2566 Mark Jahresgehalt und freie Wohnung

Am 18. Oktober siedelte Rudolph nach seinem neuen Wirkungskreis Liegnitz über. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nichts näheres über einen Ersatz verlautbart worden. Einen Monat später, am 12. November, berichtet der "Senftenberger Anzeiger", daß für die unter Königl. Patronat stehende Oberpfarrstelle zu Senftenberg ... vom Consortium und dem Ober-Kirchenrath Herr Archidiaconus Hintersatz designiert wurde.
Einige Tage später folgt die Information, daß durch die königliche Regierung zu Liegnitz dem Archidiaconus Hintersatz in Senftenberg
die Lokal-Schulinspection über die Schule in Niemtsch übertragen worden sei.

Gottlieb Paulitz schreibt in seiner "Chronik von Senftenberg", daß Hintersatz bis zum 1. Oktober 1888 Archidiaconus war. Die Zeitungsmeldungen legen jedoch nahe, daß der Funktionswechsel erst im Dezember erfolgte.
Am 5. Dezember ist im "Senftenberger Anzeiger" erstmals von Oberpfarrer Hintersatz die Rede. Ein feierlicher Akt scheint nicht stattgefunden zu haben. Zumindest berichtete die Lokalpresse nicht darüber. Dafür vermeldeten überregionale Zeitungen die Neubesetzung.

"Norddeutsche Allgemeinen Zeitung"
(30. Januar 1889)

Dies jedoch erst im Folgemonat, was aber gut zu folgender Aktennotiz passt, die ebenfalls aus dem Januar 1889 stammt.

Dabei muß das dort angegebene Datum aber nicht zwangsläufig den Tag der Beförderung wiedergeben. Später war es aber mit Sicherheit nicht.
Spätestens mit der Berufung zum Oberpfarrer stieg Familie Hintersatz endgültig in die gehobeneren Schichten Senftenbergs auf.
Man wohnte in der sogenannten "Oberpfarre", einem zweistöckigen Haus am Kirchplatz 14 und es dürfte der Familie nicht viel gefehlt haben. Wobei die zum Bestreiten des familiären Lebensunterhalts verfügbaren Finanzmittel ein ständiger Quell der Klage gegenüber dem Arbeitgeber des Oberpfarrers waren. Forderungen nach Zuschüssen für Kurreisen oder Gehaltserhöhungen waren die Regel. Die jährlichen Einkünfte bewegten sich anfangs um die 3000 Mark. Ein Betrag, der zur damaligen Zeit zweifellos ein auskömmliches und gesundes Leben der Familie sicherstellen konnte. Und dennoch...

Die Brüder Robert und Wilhelm (ca. 1890)
Zeichnung von Camillo Ehregott Zschille (1890)
Am 11. März 1893 starb der jüngere der beiden Brüder, Robert, an einer Lungenentzündung. Kindersterblichkeit war damals überhaupt keine Seltenheit und traf, wie man sehen kann, auch Familien, die besser gestellt waren.
Robert war nur eines von insgesamt 99 Kindern (52 Knaben, 47 Mädchen) im Amtsbezirk Senftenberg, die in jenem Jahre in einem nicht-schulpflichtigen Alter starben.

Senftenberger Anzeiger (14.03.1893)
Die Bestattung Roberts fand drei Tage später, am 14. März 1893, statt.
Auf dem Senftenberger "Alten Friedhof" ist heute (Oktober 2020) immer noch sein Grabstein zu finden...

Die Brüder Wilhelm und Robert (ca. 1892)

Wilhelm und Wilhelm
- Vater und Sohn -
(ca. 1893)
Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, daß der Tod des kleinen Robert die Familie tief erschütterte.
Auch wenn der Vater als protestantischer Seelsorger tagtäglich beruflich mit Vergänglichkeit und Jenseits zu tun hatte - wenn es die eigene Familie und zudem ein Kind trifft, dem das ganze Leben noch bevorstand, dann herrscht finsterste Trauer. Wie bei jedem anderen auch.

Die Eltern werden in der Folgezeit mutmaßlich all ihre Liebe auf das ihnen verbliebene Kind, den nun schon 7-jährigen Wilhelm, konzentriert haben.
Zumal dem Vater die Situation und Gefühlslage seines Sohnes nicht gänzlich unbekannt war... Verlor er doch selbst mit knapp 10 Jahren seinen 2 Jahre jüngeren Bruder.

Wilhelm mit seiner Mutter Louise
(ca. 1893)
Neben dem familiären Schicksalsschlag zogen noch weitere dunkle Wolken über dem Oberpfarrer auf. Verschiedenste Senftenberger Bürger, Geschäftsleute aber auch Untergebene wie der Subdiakon Heese beschwerten sich mehrfach bei Hintersatz' übergeordneter Instanz, dem Königlichen Konsistorium der Provinz Brandenburg, über dessen unziemliches Verhalten. In einem mehrere Schriftstücke umfassenden Konvolut aus Rede und Gegenrede wird von den Beschwerdeführern Hintersatz als aufbrausender und von einer unbezwingbaren Herrschsucht beseelter Mensch beschrieben, dessen Auftreten für Ärgernis sorgt und der sich deswegen die Abneigung der Bürgerschaft zugezogen hat. Der Oberpfarrer war demnach von rustikaler Art. Die Züchtigung von Konfirmanden aber auch die Brüskierung von Amtsbrüdern warf man dem Oberpfarrer vor, weshalb dieser das Ansehen des geistlichen Standes auf das bedauerlichste geschädigt hat. Sein Auftreten in hiesiger Gemeinde ist ein derartiges, daß ein großer Teil derselben, darunter sehr viele maßgebende Persönlichkeiten, von der Kirche sich abgestoßen fühlt.

Im weiteren Verlauf kam es sogar zu Verhandlungen vor Gericht wegen Beleidigung und Verleumdung. Obwohl Hintersatz in den meisten Fällen unbeschadet aus der Angelegenheit ging bzw. das Ganze einfach an sich abperlen ließ, hinterließ der andauernde Zwist doch seine Spuren:

Im Juli 1895 bewarb sich Wilhelm Hintersatz auf die vakante Pfarrstelle zu Berg vor Crossen. Als Grund hierfür führte er die Streitigkeiten mit dem Subdiakon an, die in mir den drängenden Wunsch gezeitigt haben, meine Gemeinde, der ich zwölf Jahre lang mit Anstrengung aller meiner Kräfte gedient, möglichst bald verlassen zu können. Hinsichtlich der Vorkommnisse fühle ich mich frei von jeder Schuld.
Sein Ansinnen blieb von entscheidender Stelle ebenso unberücksichtigt wie der nächste Versuch im Oktober 1895, als er Senftenberg in Richtung Lebus verlassen wollte, um die dortige Pfarrstelle zu besetzen. Drei weitere Anläufe, das Kapitel Senftenberg für sich zu schließen, scheiterten nachfolgend ebenfalls. Hintersatz' Bewerbungen um die Pfarrstellen in Eggersdorf (1897), Gorgast (1898) und Dorf Zinna (1900) blieben allesamt unberücksichtigt.