Am 18. August 1906 wird Wilhelm Hintersatz zum Leutnant befördert.

Am 19. Mai 1909 erhält er die Rettungsmedaille am Bande, eine von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gestiftete Auszeichnung, die an Personen verliehen wurde, die unter eigener Lebensgefahr einen anderen Menschen gerettet hatten. Welche Tat konkret zur Verleihung an Wilhelm Hintersatz führte ist derzeit nicht bekannt.

Das Ereignis ist auch dem "Senftenberger Anzeiger" eine Nachricht wert...

Senftenberger Anzeiger (Mai 1909)

Wenn auch Hintergrundinformationen fehlen (und auch nicht nachgeliefert werden), kann man der Meldung entnehmen, daß Leutnant Hintersatz zu diesem Zeitpunkt zur Artillerie in Thorn abkommandiert war.
Thorn heißt heute Torun und gehört seit 1920 zu Polen. Die Festungs-Stadt an der Weichsel befand sich damals im Regierungsbezirk Marienwerder, Westpreussen.

Zwischenzeitlich in Senftenberg:

Am 4. Januar 1910 wird Oberpfarrer Wilhelm Hintersatz in Senftenberg der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen.

Senftenberger Anzeiger (Januar 1910)
Anfang Mai desselben Jahres begehen Louise und Wilhelm Hintersatz das Fest der Silbernen Hochzeit. Senftenberg nimmt Anteil an dem Jubiläum...

Oberpfarrer Hintersatz und Gattin am Fenster,
nebst Dienstpersonal
Senftenberg, Oberpfarre, Kirchplatz 14
(1910)
Senftenberger Anzeiger (Mai 1910)
Daß wir auf obigem Foto keine Spur von Johanna Hintersatz erkennnen können, dafür mag es mannigfaltige Gründe geben.
Möglicherweise war sie zu dem Zeitpunkt als der Fotograf auftauchte in der Schule.
Hanni wurde 1905 in die Städtische Höhere Mädchenschule in der Senftenberger Ostpromenade eingeschult. Wie lange sie diese besuchte ist derzeit nicht bekannt. Genauso wenig, ob sie danach in auswärtigen Internaten untergebracht war.
Mutter und Tochter
Dievenow (Dziwnów)
(1907)
Im Oktober 1913 erfolgte die Kommandierung Wilhelm Hintersatz' zur Militärtechnischen Akademie.
Ein "Qualifikationsbericht", der anläßlich dieses Schrittes vom damals zuständigen Regiments-Kommandeur Oberst Kaupert verfasst wurde, lautet folgendermaßen:
Qualifikationsbericht zum 1. Dezember 1913.

Ist mir noch nicht genügend bekannt geworden. Mein Vorgänger, Oberst Nordbeck, urteilt über ihn wie folgt:

"Mittelgross, schlank, guter Reiter mit viel persönlichem Schneid. Befindet sich in günstiger pekuniärer Lage, lebt gesellschaftlich. Bestimmter energischer Charakter. Sehr fleissig und pflichttreu, arbeitet selbstständig und zielbewusst.
Besitzt sehr scharfen Verstand, ist militärisch vorzüglich veranlagt und leistet im Dienst sehr Gutes. Sehr findig und gewandt im Gelände, handelt ruhig und umsichtig.
Ist zum 1.Oktober 13 zur Militchn.AKADEMIE einberufen. Füllt seine Stelle aus.

Zur Beförderung geeignet."


Diesem Urteil habe ich nichts hinzuzufügen.

An der Militärtechnischen Akademie belegte Wilhelm unter anderem Kurse in Waffenwesen, Ballistik, Nachrichtentechnik, Flug- und Motorenwesen sowie Vermessung im Felde (Kartografie, Topografie und Fotogrammetrie).

Seine Beförderung zum Oberleutnant erfolgte am 17. Februar 1914.

Am 10. Juli 1914 wurde Oberleutnant Hintersatz mit dem kaiserlich-russischen Sankt-Stanislaus-Orden ausgezeichnet. Für welche Verdienste er diese Ehrung erhielt ist derzeit unbekannt.

Am 1. August 1914 erklärte Deutschland Russland den Krieg. Im Laufe des Tages wurde die Generalmobilmachung im Deutschen Kaiserreich ausgerufen. Der 2. August galt als erster Mobilmachungstag. Deutschland rief den Kriegszustand aus und trat damit aktiv in einen Krieg ein, der als 1. Weltkrieg oder wie die Angelsachsen sagen - "the great war" - in die Geschichtsbücher Eingang fand.

Die Mobilmachung rief Oberleutnant Hintersatz in die Stellung des etatsmäßigen Ordonnanz-Offiziers und zugleich Dolmetscher-Offiziers für Französisch beim Stab der 9. Infanterie-Brigade.

In dieser Eigenschaft kämpfte ich von Anfang an in der Armee von Kluck bis vor Paris und wieder zurück bis zur Aisne.

Im ersten Kriegsjahr 1914 nahm Hintersatz an folgenden Kampfhandlungen auf dem westlichen Kriegsschauplatz teil:

  • Gefecht bei Budingen [18.-19. August]
  • Schlacht an der Gette
  • Schlacht bei Mons (Tertre, Vasmuel, Hornu) [23.-24. August]
  • Schlacht bei Solesnes [25.-27. August]
  • Kämpfe an der Somme [28.-30. August]
  • Gefecht bei Avillers
  • Gefecht bei Villers-Cotterets [1. September]
  • Gefecht bei Monceaux-Esternay [6.-7. September]
  • Schlacht am Ourcq [8.-9. September]
  • Schlacht bei Meaux [10. September]
  • Nachhutgefechte bei Neuilly [11.September]
  • Stellungskämpfe an der Aisne [ab 12. September]
  • Für Tapferkeit vor dem Feind wurde ich seit August 1914 für das Eiserne Kreuz 2. Klasse vorgeschlagen, welches ich im September [14. September 1914] erhielt, nachdem ich bei einer für den Generalstab wichtigen Mission zu Pferde, durch einen Schuß in die rechte Seite schwer verletzt worden war.

    Senftenberger Anzeiger (Oktober 1914)
    Ende 1914 - nach Wiederherstellung von erster schwerer Verwundung - wurde ich der Inspektion der Fliegertruppen überwiesen, und habe ich in dieser die neu aufzubauende Abteilung Waffenwesen übernommen, sehr bald aber selbst Flugzeugführer geschult und nach fertiger Ausbildung im Osten einen Spezialapparat geführt.
    Den letzten Teil der Passage muß man wahrscheinlich dahingehend interpretieren, daß Hintersatz weniger andere als Flugzeugführer schulte sondern vielmehr selbst als Flugzeugführer ausgebildet wurde.

    Laut rückseitigen Gravierungen auf seinem Flugzeugführer-Abzeichen können folgende fliegerische Abschlüsse festgehalten werden:

  • Pilot : 12. Mai 1915
  • Feldpilot : 16. Juni 1915
  • Flugmeister : 12. August 1915
  • Zwischenzeitlich erklomm er am 18. Juni 1915 noch schnell eine weitere Stufe auf der militärischen Karriereleiter: Hauptmann Hintersatz.
    Und der frischgebackene Hauptmann sorgte kurze Zeit später für Schlagzeilen in der Lokalpresse seiner Geburtsstadt Senftenberg...

    Senftenberger Anzeiger (2. August 1915)
    Die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse folgte am 12. Dezember 1915.
    Die Auszeichnung geschah aufgrund einer schweren Angriffs- und Kampfhandlung ... als Kommandant eines Doppelrumpf-Kampfflugzeugs.

    Beide getätigten Aussagen, "Spezialapparat" und "Doppelrumpf-Kampfflugzeug", lassen sich anhand der rechten Abbildung bestätigen.
    Man erkennt hierauf nämlich eine Otto C.I, ein nur in sehr begrenzter Stückzahl (lt. Wikipedia: 25) produziertes Modell der Münchner "Otto Flugmaschinenfabrik".

    Auf dem folgenden Alternativfoto (Quelle: Internet), von dem wir jetzt wissen, wen es zeigt, kann man weitere Details erkennen.
    Die Maschine war ein Doppelrumpf-Doppeldecker mit Druckpropellerantrieb und wurde als Aufklärungs- und Bomberflugzeug im 1. Weltkrieg eingesetzt.

    "Start zum Feindflug 11.12.15"

    Pilot Wilhelm Hintersatz (hinten) mit seinem MG-Schützen


    Dieses Foto wurde zweifellos bei derselben Gelegenheit gemacht wie die Aufnahme rechts oben.

    Flugsport
    - Illustrierte technische Zeitschrift und Anzeiger
    für das gesamte Flugwesen -
    (16.02.1916)