Senftenberg, wendisch Komorow, liegt in der Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Frankfurt/O., Kreis Calau und wird von der Schwarzen Elster berührt, welche unweit der Stadt die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen bildet. Sie liegt unterm 38sten Grad östlicher Länge und 51sten Grad nördlicher Breite.



Senftenberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
... ein bis vor kurzem noch verschlafenes Ackerbauernstädtchen, welches Fremde spöttisch-verächtlich als in der Hundetürkei gelegen bezeichneten, hatte gerade erst Anschluß an die große weite Welt erlangt. In der Umgebung hatte man große Vorkommen an leicht zugänglicher Braunkohle entdeckt, die in zunehmenden Maße abgebaut und zu Briketts verarbeitet wurde, welche man danach vornehmlich nach Cottbus und Berlin transportierte. Der Bau der Eisenbahnstrecke Cottbus - Großenhain und der Anschluß Senftenbergs an diese Trasse beflügelte die wirtschaftliche Entwicklung der Region ungemein.

Eine 1885 durchgeführte Volkszählung ergab für Senftenberg folgendes Ergebnis: Nach den jetzt veröffentlichten endgiltigen Ergebnissen vom 1. Dezember v. J. zählt unsere Stadt in 316 Häusern, 2 Wohnplätzen, 4 Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt und 697 Haushalte 1659 männliche und 1539 weibliche, zusammen 3198 Einwohner. Aus einer Chronik der Senftenberger Postgeschichte stammen die nachfolgenden Angaben, die das stetige Bevölkerungswachstum bis zur Jahrhundertwende dokumentieren: 1840: 1225, 1855: 1449, 1861: 1503, 1871: 1861, 1875: 2078, 1880: 2848, 1890: 4503, 1895: 4973, 1900: 6157.
Über die Sprach- und Religionsverhältnisse berichtet die selbe Chronik: Die Verkehrssprache ist die deutsche. In den umliegenden Ortschaften wird wendisch gesprochen. Die Religion ist ausschließlich evangelisch. Zum Katholizismus bekennen sich nur wenige, zur jüdischen Religion nur eine Familie. In den letzten Jahren ist die Zahl der katholischen Einwohner durch den starken Zuzug polnischer und schlesischer Arbeiter soweit gestiegen, daß für dieselben eine eigene Schule und ein eigenes Bethaus hat errichtet werden müssen.
Für den geistlichen Beistand der vornehmlich protestantisch geprägten Senftenberger Bevölkerung trug ab 1883 unter anderem Wilhelm Hintersatz Senior die Verantwortung.

Geboren wurde dieser als Friedrich Wilhelm Hintersatz am 19.01.1855 in Ruhland, nur wenige Kilometer von Senftenberg entfernt. Woher seine Vorfahren ursprünglich stammten ist nicht bekannt. Der Name Hintersatz ist für die Niederlausitz relativ ungewöhnlich. Später einmal wird die Bemerkung "alttiroler Name" fallen. Ob dies den Tatsachen entspricht ist unklar.
Der angehende Geistliche wurde zunächst auf den Gymnasien zu Hirschberg in Schlesien (heute Jelenia Góra, Polen) ausgebildet. Danach studierte Wilhelm Theologie und Philologie in Leipzig und Berlin. Nach dem Studium arbeitete er als Lehrer an einer höheren Töchterschule in Berlin sowie als Diakonus und Prädikant beim Professor und Prediger Dr. Paulus Cassel um schließlich Predigtamts-Candidat im Königlichen Prediger-Seminar Wittenberg zu werden.

Wilhelm Hintersatz ca. 1870 während der Zeit in Hirschberg
Wilhelm Hintersatz.

Das Foto wurde mit 1886 datiert. Ich halte dies für zu spät.
Normalerweise wäre für einen Senftenberger das Photoatelier von Hermann Meyer die erste Adresse für derartige Aufnahmen gewesen. Meyer eröffnete seine Senftenberger Dependance aber erst im April 1886. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Senftenberg keinen stationären Fotografen der solche Produktionen herstellte, weshalb man gezwungen war auf die Umgebung, in diesem Fall: Cottbus, auszuweichen.
Im August 1883 trat Wilhelm in Senftenberg unter dem amtierenden Oberpfarrer Rudolph die Stelle als Archidiakonus von Senftenberg und Pfarrer von Sedlitz an. Am 8. August 1883 erfolgte seine Bestätigung durch das königliche Consistorium.

Senftenberger Anzeiger (22.08.1883)

5 Monate später, am 20. Januar 1884, wurde die feierliche Amtseinführung in der Deutschen Kirche zu Senftenberg zelebriert.

Senftenberger Anzeiger (30.01.1884)
Am 5. Mai 1885 heiratete Wilhelm Hintersatz die zwei Jahre jüngere Johanna Louise Oertel. Die Tochter von Robert Oertel, seines Zeichens damaliger Kgl. Steuereinnehmer 1. Klasse in Senftenberg, wurde am 5. September 1857 geboren und wird 52 Jahre lang ihrem Mann eine treue Gefährtin sein.

Wilhelm Hintersatz (um 1886)
Louise Hintersatz (um 1890)